Philippe Gehrig:
Ein Date mit Gott

Wenn Sie in einer mittleren Kleinstadt wohnen, könnten Sie noch Glück haben, dieser seltenen, ehrfürchtigen Spezies zu begegnen. Wenn Sie in einer Großstadt leben, brauchen Sie schon verdammt gut trainierte, jägerische Instinkte, um das scheue Wild zu sichten. Die Rede ist von dem gemeinen Installateur.

Über kurz oder lang werden Sie Ihn brauchen, meistens in Verbindung mit der Verschlechterung Ihrer häuslichen Lebensumstände. Der Installateur hat als Facharbeiter und Person sehr viel mit Gott gemeinsam, er ist Herr über Feuer und Wasser, den Urgewalten, die unser Sein schon immer bestimmten. Er hat es in der Hand, ob unser Zuhause behaglich ist, oder ein Inferno. In letzterem Fall projizieren wir schnell all unsere Hoffnungen auf ihn.

Dieser Umstand, wird in der Regel von diesen Menschen schamlos ausgenutzt. Einen Termin mit einem Installateur zu haben, ist wie eine Verabredung mit Gott, einer nicht berechenbaren Person.

Man weiß nicht ob er kommt, wann er kommt und welche Laune er hat. Um alle Unwägbarkeiten auszuschalten, oder zumindest in einem überschaubaren Rahmen zu halten, heiratet man am besten seine Schwester.

Auch kommt es sehr darauf an, wenn er den einen Termin einhalten sollte, für die richtige, freudige und angenehme Atmosphäre zu sorgen. Lassen Sie es ihm an nichts fehlen, kochen Sie ein drei Gänge Menü und fordern Sie ihn danach zum Beischlaf mit Ihrer Frau auf - er braucht das jetzt. Um in Stimmung zu kommen. Vielleicht lässt er sich danach dazu herab, ihr Klo wieder funktionstüchtig zu machen. Vielleicht hat er, das entspricht aber eher einem Sechser im Lotto, sogar das passende Werkzeug dabei.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kontrolle über die auszuführenden Arbeiten.

Da Sie sowieso Urlaub nehmen müssen - um zu kochen, Bier zu holen und für gute Laune zu sorgen, schauen Sie den Arbeitern ab und zu mal unauffällig über die Schulter. Ansonsten werden Sie aus dem Staunen gar nicht mehr heraus kommen, wenn z.B. Ihre Badewanne falsch herum eingebaut wurde, weil es halt schneller ging.

Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, sich ein neues Bad zuzulegen und nicht in der Lage sind, die neuen Keramiken selbst einzubauen, dann machen Sie am besten den größtmöglichen Bogen um die ach so billigen Baumärkte. Kein Installateur der etwas auf sich hält, wird irgend ein daher gelaufenes Waschbecken montieren, dessen Herkunft er nicht kennt. Oder besser gesagt, das Sie nicht bei Ihm gekauft haben. Da kann ja jeder kommen! Am Ende noch ein Waschbecken aus ausländischer Billigproduktion, das deutsche Arbeitsplätze gefährdet!

Mein Bruder beging einmal den Frevel und kaufte ein Waschbecken und eine Kloschlüssel aus einem Baumarkt. Seitdem hat er sämtliche Branchenfernsprechbücher, deren er habhaft werden konnte, durchtelefoniert, auf der Suche nach einem Mann, der ihm das einbaut. Ich habe ihm vorgeschlagen doch die Suche aufzugeben und einfach noch mal zwanzig Jahre ins Land gehen zu lassen. Dann können wir die beiden Exponate dem deutschen Museum anbieten. Unter der Rubrik Fernöstliche Gebrauchskeramiken aus der Mitte des 20 Jahrhunderts.

(Mit freundlicher Genehmigung des Autors)


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