
Herr Angerer schrieb mich an, weil er das Eingangszitat zur Bibliothek gelesen
hatte - das Zitat von Michael Ende, seinem Freund.
Auf den Link zu seiner Seite hin habe ich ein wundervolles Buch mit extrem schönen
Illustrationen gefunden. Ich bat ihn, das Buch selbst vorzustellen und bekam
die folgende Stellungnahme. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich
werde das Buch in den nächsten Tagen auf jeden Fall kaufen!
Der Autor, Angerer der Ältere, zu seinem Buch:
Wie entsteht heute ein Buch?
Falls ein Autor im Auftrag eines Verlages handelt, dann wird wenn überhaupt, für das Buch ein Cover gestaltet, sozusagen als visueller Blickfang. Zielrichtung ist: in der "Herstellung" ein billiges Massenprodukt mit größtmöglicher Effizienz.
Dies hier ist ein Buch ganz anderer Art. Hier wurde liebevoll gestaltet, 19 farbige- und 20 schwarz-weiß Abbildungen begleiten den Text. Natürlich will man so viele Menschen wie möglich damit erreichen.
Wie entstand dieses Buch?
Die Vision ist zuerst! Während des Malens der "Phantastischen Welten"
ranken sich zeitgleich im Kontext phantastische Geschichten um das Bild. Ein
Weg, der der Phantasie einen schier unbegrenzten Spielraum läßt.
Es ist deshalb nicht verwunderlich, daß diese Visionen tatsächlich
die Geschehnisse der Nacht sind, also Visionen die mir im entspannten Zustand
zufallen, denn im Traum habe ich meine besten Ideen. So sind Bilder und Geschichten
entstanden, für die Architektur Funktionssysteme gestaltet worden, selbst
mathematische Aufgaben habe ich spielerisch "wie im Traum" gelöst.
"Den Seinen gibt's der Herr im Schlaf", heißt es und dafür
danke ich meinem Schöpfer.
So spielt der Traum nicht nur eine wesentliche Rolle, sondern es geht auch darum:
was ist Traum, was Realität ? Dabei wird in dem Buch keinesfalls philosophiert,
es sind die Geschehnisse und Handlungen, die den Leser zu diesen Themen führen.
Und noch eines: die Bilder sind nicht als Illustrationen zu verstehen, vielmehr
sind es Darstellungen der fremdartig-phantastischen Eindrücke, die auf
den Protagonisten dieses Märchenromans einstürmen.
Die Geschichte handelt von dem Zwillingspaar SUNAJ und JANUS, die auf dramatische Art und Weise in diese Traumwelten hineingeraten. Weder geht es hier wie in der klassischen Märchenwelt um "Wunder" und "Zauber" im vorhinein, auch ist der Protagonist Janus nicht hoppla-pötzlich in der Traumwelt. Der Übergang ist fließend und voller Irritationen, bis der 14-jährige Junge nicht mehr weiß, träumt er nur oder ist er wach. Die Grenzen verwischen.
Zuletzt entpuppt sich auch das "Böse", gegen das Janus tapfer
ankämpft, nicht als die Inkarnation des Bösen, wie er angenommen hatte.
Erst durch die persönliche Bekanntschaft mit einem Individuum, genannt
"Miesmuschler" (die übrigens nach verdorbenem Fisch stinken und
empfindlich gegen Zitronen sind) muß nicht nur Janus, sondern auch der
Miesmuschler erkennen, daß sie eigentlich beide das Opfer der wahren Macht
im Hintergrund sind: der dämonischen Bösartigkeit, unbedingt über
andere Wesen zu herrschen, legitimiert durch scheinbare rassische, gottgewollte
Überlegenheit.
Alle Wesen, ob Elfen, ein schwarzes und ein weißes Einhorn, das Volk der
Zweistädter und andere sind von dieser Macht bedroht, doch ganz besonders
Sunaj.
Um seine Schwester zu retten, erfüllt Janus eine Mission, die den Jungen
formt: nämlich zu einem mitfühlenden Menschen, der aus selbstloser
Liebe zum Retter wird und sich damit selbst rettet.
Ich habe versucht, die einfache Sprache der Märchen zu finden, um vor allem die Jugend damit zu erreichen.
Über den Autor
Angerer der Ältere ist Architekt, Kunstmaler und Bildhauer sowie Preisträger
mehrerer Architekturwettbewerbe. Seine Werke wurden auf zahlreichen Ausstellungen
im In- und Ausland gezeigt. Er war für die künstlerische Ausstattung
des Films "Die unendliche Geschichte II" (Michael Ende) zuständig
und erhielt dafür den Bayerischen Filmpreis. Für das Theaterstück
"Der kleine Hobbit" von J.R.R. Tolkien, Uraufführung in Hamburg
im Februar 1994, gestaltete er das Bühnenbild und die Kostüme.
Zudem ist er Illustrator verschiedener Bücher, u.a. gestaltete er die Titelbilder
einiger Romane von Wolfgang Hohlbein.
Kleine Übersicht über sein Schaffen:
1996 Gründungsmitglied des Zentrums für Phantastische Künste
1997 Bau der Erlöserkapelle in Biburg, ein Gesamtkunstwerk aus Architektur,
Malerei und Bildhauerei
Kunstbände: "Phantastik der Sehnsucht", Gustav Renè Hocke,
"Kampf und Vision", Manfred van Well (Bruckmann-Verlag München)
Produktionsdesigner des Films "Die unendliche Geschichte II" von Michael
Ende
Bilderzyklus: "Deutsche Trennung und Einheit" - dazu Sonderausstellungen
1990 im Bruckmann-Studio München
Video-Film: "Deutsche Trennung und Einheit" - In Zusammenarbeit mit
seinem Sohn Christian Angerer, uraufgeführt am 3. Oktober 1990 in der ARD.
Video-Film: "Momo in der phantastischen Welt des Meisters Hora" (nach
Michael Ende),
Theater: Bühnenbild und Kostüme für Theaterstück "Der
kleine Hobbit" von J. R. R. Tolkien (Uraufführung 1994 in Hamburg)
Grabmal: für Michael Ende, München, Waldfriedhof
Kunstkritiker: 1994 erschien im Nymphenburger-Verlag sein Buch "Kulturpause"
- Streitschrift wider den Zeitgeist.
Website: Ein Verlorener Traum
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