
Ein umstrittener Mensch, dieser Stefan Aust. "Journalist mit eigener Meinung"
sagen die einen, "Meinungsmacher" nennen ihn die anderen. Wie immer
man Aust sehen will - er war niemals Spielball der Machthaber, hat niemals eine
gängige Meinung kopiert und er hat immer eine positive Art des Aufklärungsjournalismus
betrieben.
Austs Laufbahn begann bei der - sehr links stehenden - Zeitschrift "Konkret"
und zwar in den brisanten Jahren 1966 bis 1969. Zu dieser Zeit stand Klaus Rainer
Röhl an der Spitze des Blattes, verheiratet mit der ehemaligen Chefredakteurin
Ulrike Meinhof, die ihre Mitarbeit bis 1969 fortsetzte und dann endgültig
in den Untergrund ging. Stefan Aust hingegen begab sich zum Norddeutschen Rundfunk.
Bekannt wurde er als Redakteur der Sendung "Panorama". Politische
und soziale Aufklärung waren Grundidee dieses Magazins.
Einen sehr hohen Bekanntheitsgrad erreichte Stefan Aust durch seine Bücher. "Der Baader Meinhof Komplex" erschien 1985, als das Wort Terrorismus noch immer Panik auslöste, trotzdem von der berüchtigten RAF kaum noch eine Handvoll Mitglieder exisitierte. In seinem Bemühen um eine objektive Sichtweise ist er gerade bei dem Angstthema "RAF" sehr stark in die Kritik geraten. Seine Recherchen um den Tod der Terroristen unterschieden sich stark von der offiziellen Version und sind auf erhebliche Gegenwehr der Verantwortlichen gestoßen. Aust schrieb gleichzeitig das Drehbuch zu dem Spielfilm "Stammheim", der 1986 erschien.
Wiederum umstritten und aufklärend erschien 1988 sein nächstes Buch "Mauss - ein deutscher Agent", in dem er einige (z.T. illegale) Praktiken des Verfassungsschutzes enthüllte. Neue Erkenntnisse in diesem Fall wurden nach der Verhaftung von Mauss in einer Neuauflage eingearbeitet.
1990 erschien "Der Pirat" aus den Gesprächsprotokollen mit einem AIDS-infizierten Dealer und Drogenabhängigen. Auch hier werden Unfähigkeiten und Schwachpunkte der Gesellschaft und des Sozialsystems aufgezeigt.
Einige Jahre lang moderierte Aust "Talk im Turm", eine Talkshow, die aufgrund ihrer politischen und brisanten Themen zu den anspruchsvollsten des Fernsehens gehörte (und damit zu einem unattraktiven Sendezeitpunkt verdammt war). Seit 1994 ist er Chefredakteur des SPIEGEL und moderiert zeitweise das Magazin "Spiegel-TV".
Stefan Aust schreibt klare Worte und versteigt sich nicht in elegant geschwungenen
Sätzen. Er ist allerdings auch nicht der Journalist, dem daran liegt, eine
breite Masse zu erreichen. Aust schreibt für jeden, den sein Thema interessiert
und der sich damit auseinandersetzen mag. Er erreicht seine Leserschaft durch
das Thema seines Buches, benötigt keinen reißerischen Titel und kein
Medienrummel. Er bedarf keiner Fan-Gemeinde und ist beileibe keine literarische
Kultfigur. Er ist Journalist.
Und seine Bücher? Sie sind gut recherchiert, real und aufklärend,
aber nicht ohne eigene Meinung, nicht ohne eigenen Stil und nicht ohne Spannung.
Seine Bücher sind Literatur.